Patienteninformationsveranstaltung
Mittwoch, den 17.10.2001, 15.00 bis 18.00 Uhr
Hörsaal Physikalisches Institut, Universitätsplatz 3, 18055 Rostock.

Angst vor Krebs -
Leben mit Krebs -
Krebs behandeln

Die Krebsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern wird am morgigen Mittwoch im Rahmen der Krebsinformationswoche 2001 eine Patienteninformationsveranstaltung unter dem Motto „Angst vor Krebs - Leben mit Krebs - Krebs behandeln“ in Rostock durchführen. Es werden auf der Veranstaltung verschiedene Themen angeschnitten:

Führen seelische Belastungen zu Krebs?

Wer hat nicht Angst vor Krebs. Unsere Gesellschaft ist auf Jugend und Gesundheit orientiert. Um so mehr erschüttert die Diagnose Krebs das Leben eines Menschen. Es ist verständlich, wenn Patienten in dieser Situation nach einer Ursache für ihre Erkrankung suchen. Vielfach führen Patienten und Angehörige ihre Erkrankung auf vorausgehende seelische Belastungen zurück. Vor einiger Zeit wurde in diesem Zusammenhang regelrecht von einer Krebspersönlichkeit gesprochen. Die zugrundeliegenden psychologischen Untersuchungen hatten allerdings teilweise schwere Mängel: Einige Untersuchungen waren bei Patienten durchgeführt worden, nachdem sie ihre Krebsdiagnose erfahren hatten. Neuere Studien haben keinen Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen und Krebs erhärten können. Insgesamt muß glücklicherweise niemand Angst haben, Krebs zu bekommen, weil er im Stress steht.

Auf diese Frage wird ausführlicher in seinem Vortrag eingehen: Herr Dr.rer.nat. Thomas Klauer; Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin; Zentrum für Nervenheilkunde; Universität Rostock. Er wird auch darüber sprechen, was Erkrankte und ihre Angehörigen tun können, um ihre Erkrankung besser zu verkraften.

Was darf der Krebspatient von seinem Arzt erwarten?

Das Verhältnis von Arzt und Patient ist in einer großen Wandlung begriffen. Früher wurde vom Arzt erwartet, daß er fürsorglich für den Patienten entscheidet. Den Patienten wurde in diesem Zusammenhang eine eher passive Rolle zugewiesen. Bei vielen Ärzten bestanden Vorbehalte, die Patienten rückhaltlos über ihre Erkrankung aufzuklären. Es bestanden Bedenken, daß der Patient die mit der Aufklärung verbundenen Belastungen nicht ertragen könnte. Das frühere Verhältnis zwischen Arzt und Patient war auch sehr stark durch die Tatsache bestimmt, daß der Medizin nur wenig Möglichkeiten zur Verfügung standen.

In der modernen Krebsmedizin stellt sich die Situation völlig anders. Wir haben heute sehr wirkungsvolle Therapieverfahren und gute Möglichkeiten für die Diagnostik zur Verfügung. Auf der anderen Seite sind viele Therapieverfahren auch sehr eingreifend und zum Teil mit Nebenwirkungen und Risiken behaftet. Vor diesem Hintergrund ist es absolut unumgänglich, daß der Patient rückhaltlos aufgeklärt ist, ja mehr noch, daß er aktiv bei Auswahl der in Frage kommenden Behandlungsverfahren mitwirkt. Die Rolle des Erkrankten wandelt sich vom passiven Patienten zum aktiven Klienten, zum Partner des Arztes. Diese Entwicklung wird zusätzlich katalysiert durch die vielen Informationen, die heute dem Erkrankten über das Internet zur Verfügung stehen.

Prof. Dr. med. Mathias Freund; Abteilung Hämatologie und Onkologie; Klinik und Poliklinik für Innere Medizin; Universität Rostock wird auf das Verhältnis von Arzt und Patienten eingehen. Zusätzlich wird er sich mit der Frage befassen: Wie sind alternative Heilverfahren einzuordnen?

Welche Rolle spielt die Krankenpflege in der Behandlung von Krebspatienten?

Wie das Verhältnis von Arzt und Patienten wandelt sich auch die Beziehung zwischen Patienten, Krankenschwestern und Krankenpflegern. „Wir sind hier kein Hotel“. Dieser Ausspruch fiel früher schon mal auf kahlen Klinikgängen. Moderne Krankenpflege sieht den Patienten als Partner. Das beinhaltet, die Patienten zur aktiven Mitarbeit zu motivieren. Da kann es schon sinnvoll sein, daß der, der es kann, sein Bett selbst macht oder sich sein Frühstück an einem Buffet holt. Auf der anderen Seite machen die komplizierten Abläufe der modernen Krebsbehandlung aber auch notwendig, daß jeder Patient seine Krankenschwester oder seinen Krankenpfleger als persönlichen Ansprechpartner hat. Man spricht von Zimmer-Pflege.

Über moderne Pflegekonzepte in der Krebsbehandlung spricht Oliver Schenk, Pfleger auf der Knochenmark- und Blutstammzelltransplantationsstation der Universität Rostock.

Welche neuen Therapiemöglichkeiten gibt es bei der medikamentösen Behandlung von Krebs?

Mit der Entwicklung der modernen Biochemie und Molekularbiologie sind tiefe Einblicke in die Regulation von Wachstum und Überleben von Zellen möglich geworden. Auf dieser Grundlage werden zur Zeit eine ganze Reihe neuer Krebsmedikamente entwickelt.

Krebszellen steuern ihr Wachstum und ihr Überleben zu einem Teil über Eiweißstoffe, sogenannte Signaltransduktionsproteine. In der normalen Zelle spielen diese Eiweißstoffe ebenfalls eine wichtige Rolle. Wesentlicher Unterschied ist dabei in der Tumorzelle, daß diese Botenstoffe des Wachstums falsch reguliert werden oder krankhaft verändert sind. Eine Entwicklungsrichtung für neue Medikamente befaßt sich damit, Hemmstoffe für diese Wachstumsbotenstoffe in den Krebszellen zu entwickeln. Ein erstes Medikament dieser Art wurde im Mai bereits in den USA zugelassen. Es handelt sich um ein Medikament, daß bei der chronischen myeloischen Leukämie eingesetzt wird. Das Medikament ist speziell auf diese Erkrankung zugeschnitten. Es wird als Tablette eingenommen und hat eine außerordentlich starke Wirkung gegen die Leukämie bei minimalen Nebenwirkungen.

Eine weitere Entwicklungsrichtung befaßt sich mit der Herstellung von künstlichen Antikörpern für die Krebsbehandlung. Die Antikörper können heute so hergestellt werden, daß sie vom menschlichen Körper nicht als fremd erkannt werden. Darauf beruht ihre große Wirksamkeit und gute Verträglichkeit. Antikörper können heute bei Lymphknotenkrebs, chronisch lymphatischer Leukämie (die häufigste Leukämieform) und bei speziellen Formen des Brustkrebses eingesetzt werden.

Sehr aussichtsreiche Entwicklungen neue Medikamente setzen an der Blutgefäßbildung an. Jeder wachsende Tumor braucht eine Versorgung durch Blutgefäße. Würde man die Neubildung von Blutgefäßen verhindern können, wäre eine sehr wirksame universell einsetzbare Waffe gegen den Krebs gefunden.

Über die Entwicklung neue Medikamente wird Herr Privatdozent Dr. Jochen Casper; Abteilung Hämatologie und Onkologie; Klinik und Poliklinik für Innere Medizin; Universität Rostock berichten.

Die Veranstaltung wird reichlich Möglichkeit zur Diskussion und für Fragen an die Experten geben.

Begleitend wird ein Informationsmaterial des Gemeinsamen Krebsregister der Neuen Bundesländer informieren.

gezeichnet: Prof. Dr. Mathias Freund, Vorsitzender

Kontakte:
Prof. Dr. med. Mathias Freund
Direktor der Abt. Hämatologie und Onkologie
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin,
Universität Rostock
Ernst-Heydemann-Straße 6, 18055 Rostock
Tel. 0381-494-7420, -7421, Fax 0381-494-7422
e-mail: mathias.freund@med.uni-rostock.de