Krebsinformationswoche 2001 vom 11. bis 21. Oktober 2001

Inhalt:

Krebsinformationswoche am 11. Oktober in Stralsund eröffnet Vorsitzender der Krebsgesellschaft spricht zur Lage der Krebsmedizin

VII. Weiterbildung in der Krebskrankenpflege in Stralsund 11. bis 12.10.2001

6. Greifswalder onkologische Patientenveranstaltung am 13.10.2001

Veranstaltung zum Thema Brustkrebs in Neubrandenburg am 16. Oktober 2001

Patienteninformationsveranstaltung in Rostock am 17. Oktober 2001
Führen seelische Belastungen zu Krebs?
Was darf der Krebspatient von seinem Arzt erwarten?
Patientenrechte
Alternativmedizinischen Angeboten kritisch gegenübertreten
Welche Rolle spielt die Krankenpflege in der Behandlung von Krebspatienten?
Welche neuen Therapiemöglichkeiten gibt es bei der medikamentösen Behandlung von Krebs?

Die Krebsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern veranstaltet in diesem Jahr zum ersten Mal eine Krebsinformationswoche. Sie soll die Aufmerksamkeit auf das Problem des Krebses und die Probleme der Krebspatienten lenken. Hintergrund: Jährlich sterben 4.500 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern an Krebs. Die Anzahl der Neuerkrankungen beläuft sich auf etwa 7.500 pro Jahr.

Krebsinformationswoche am 11. Oktober in Stralsund eröffnet
Vorsitzender der Krebsgesellschaft spricht zur Lage der Krebsmedizin

Die Krebsinformationswoche wurde am 11. Oktober in Stralsund durch Prof. Dr. Mathias Freund anläßlich des Beginns der VII. Weiterbildung für Schwestern und Pfleger in der Krebskrankenpflege in Mecklenburg/Vorpommern eröffnet. Prof. Freund wies auf die Fortschritte in der Krebsmedizin hin:
Er sagte: Wir haben die Initiative zur Krebsinformationswoche unternommen, weil sich die Krebsmedizin in einer Umbruchzeit befindet und weil wir diese nur meistern können, wenn wir in eine Auseinandersetzung treten, wenn wir miteinander reden.

Umbruchzeit, das heißt für uns erst einmal neue Chancen für Patienten mit Krebs.

  • In den operativen Fächern sind die Operationstechniken kontinuierlich weiterentwickelt worden. Für mich ist dabei weniger eindrucksvoll die minimal invasive Chirurgie, die bei der Behandlung von nicht malignen Erkrankungen ihre Domäne hat. Es ist vielmehr die scheinbare Leichtigkeit der umfangreichen und komplexen Operationen, die vor wenigen Jahren noch undenkbar war. Wir müssen allerdings anerkennen, daß dieser technische Fortschritt eine Konsequenz hat: Es kann nicht jeder und jedes Krankenhaus die notwendige Logistik vorhalten. Wir brauchen um mit den Worten eines Chirurgen neudeutsch zu sprechen „High Throughput“ Zentren. Zentren mit hohem Durchsatz und großer Übung.
  • In der Strahlentherapie hat die computergestützte Planung und Steuerung der Bestrahlung ebenfalls zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Ergebnisse geführt. Ein weiterer Punkt ist die Bestrahlung unter Ausnutzung strahlensensibilisierender Zytostatika.
  • In der medikamentösen Tumortherapie spielt sich zur Zeit ein gewaltiger Umbruch ab. Monoklonale Antikörper können heute aufgrund verbesserter Herstellungsverfahren eingesetzt werden. Sie ermöglichen eine gezielte Behandlung von Lymphomen, chronisch lymphatischer Leukämie und bestimmter Brustkrebsformen mit zum Teil dramatischer Effektivitätssteigerung. Noch spektakulärer allerdings ist eine neue Generation von Medikamenten, die direkt und spezifisch in die Prozesse eingreift, mit denen die Krebszelle ihr Wachstum und Überleben steuert. Mit der Einführung von Glivec, einer Tablette gegen die chronisch myeloische Leukämie im Mai dieses Jahres ist in den USA hier ein erster Schritt getan. Das Medikament hat einen massiven Effekt auf die Erkrankung und praktisch keine Nebenwirkungen für den Patienten. Die Entwicklung vieler neuer und teurer Medikamente wird auch in der Systemtherapie von Krebserkrankungen einen Umbruch notwendig machen. Wir brauchen eine Professionalisierung der Systemtherapie.


Prof. Freund wies darauf hin, daß gegenüber den Fortschritten in der Medizin die Politik zurückgeblieben ist. Einige Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes und des Sozialgesetzbuchs V gehen an der Praxis der Krebsmedizin vorbei und gefährden die Versorgung der Patienten.

Klinische Studien sind heute wichtige Elemente der Qualitätssicherung. Hier finden sich große deutschlandweit Gruppen von Ärzten zusammen und entwerfen zusammen Therapiekonzepte, die beständig ausgewertet und fortentwickelt werden. Untersuchungen in den USA haben ergeben, daß Patienten innerhalb solcher Studien effektiver behandelt werden als außerhalb. Vor diesem Hintergrund ist es katastrophal, daß in Deutschland Rechtsunsicherheit bei der Bezahlung der Behandlung von Patienten besteht, die in diesen Studien behandelt werden. Das Argument einiger Krankenkassen, vor allem in Niedersachsen: Teilnahme an Studien ist Forschung und muß anderweitig finanziert werden. Dem ist entgegen zu halten, daß z.B. etwa 90% der Patienten mit bestimmten Erkrankungen (Hodgkinsche Erkrankung, akute Leukämien) in Studien (glücklicherweise!) behandelt werden. Die Krankenkassen dürfen sich dieser Versorgungs- und Qualitätssicherungsaufgabe nicht entziehen. Der Gesetzgeber kann nicht länger im Reformstau verharren.

Prof. Freund wies auch auf die bei der Finanzierung von Krebsmedikamenten hin. Da immer mehr Untergruppen von Krebserkrankungen entdeckt werden, beinhalten die Zulassungen von Medikamenten oftmals viel weniger Erkrankungen, als mit den Medikamenten nach dem Stand des Wissens behandelt werden können. Eine Regelung für diesen sogenannten "Einsatz außerhalb der Indikation" von Medikamenten wurde in Deutschland versäumt, während sich in den USA z.B. ein ganzes Institut (die American Pharmakopoe) damit beschäftigt. Vor dem Hintergrund der Rechtsunsicherheit weigert sich eine Krankenkasse in Berlin, Medikamente für bestimmte Krebsbehandlungen zu finanzieren.

Prof. Freund ging zum Schluß darauf ein, daß auch die Ärzte ihren Teil leisten müssen und nicht nur Defizite in anderen Bereichen anmahnen dürfen.
  • Eine Professionalisierung und Zentrenbildung ist erforderlich. Die moderne Krebsmedizin wird eingreifender, spezialisierter. Es kann nicht mehr jedes Krankenhaus jede Krebsbehandlung anbieten. Diesgilt vor allem für die kurative (auf Heilung abzielenden) Krebsbehandlung.
  • Mehr Interdisziplinarität: die Krebsbehandlung erfordert die Zusammenarbeit von Ärzteteams aus verschiedenen Disziplinen. Ohne eine solche Zusammenarbeit z.B. in den Tumorzentren geht es nicht mehr.
  • Strukturwandel: Ein guter Teil der Diagnostik, aber auch der Therapie kann heute ambulant durchgeführt werden. Die Folge wird sein, daß langfristig weniger Krankenhausbetten, aber mehr Tageskliniken und ambulante Behandlungmöglichkeiten erforderlich sein werden. Hier spielen die spezialisierten Praxen eine wichtige Rolle.
  • Versorgungs-Netzwerke: Die Versorgung in Kliniken und Praxen ist in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern völlig getrennt. Eine Herausforderung liegt in der Errichtung von Versorgungs-Netzwerken. Hier haben Gesundheitspolitik und Standesorganisationen bisher versagt.
  • Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle werden in der Zukunft eine zunehmende Rolle spielen. Die Krebsgesellschaft geht auf diesem Gebiet in Mecklenburg-Vorpommern mit den Tumorzentren mit dem flächendeckenden Aufbau der Krebsregistrierung voran. So wurde durch ein gemeinsames Projekt von Krebsgesellschaft, Kassenärztlicher Vereinigung und medizinischem Dienst der Krankenkassen über eine Drittmittelfinanzierung eine Krebsdokumentation auch im Bereich der niedergelassenen Ärzte möglich gemacht.


VII. Weiterbildung in der Krebskrankenpflege in Stralsund 11. bis 12.10.2001

Zum siebten Mal wurde dies Jahr in Stralsund eine Weiterbildung in der Krebskrankenpflege statt. Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung standen psychoonkologische Themen in einem Workshop geleitet von Dipl.-Psych, Dipl.-Biol. Stefan Zettl, Heidelberg. Weitere Vorträge befaßten sich mit dem Thema „Burn out“ und der Frage „Mit-Leid lernen“. Weitere Themen der Fortbildungen waren Fragen der palliativen Versorgung.

Die Krebskrankenpflegefortbildungen in Stralsund werden von Herrn Oberarzt Dr. med. Ulrich Gerecke, Mitglied des Vorstands der Krebsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern organisiert. Er stellte die diesjährige Tagung unter das Gesamtmotto: „Patientenorientierte Zuwendungsmedizin“. In diesem Jahr hatte die Veranstaltung 141 Teilnehmer aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Das Programm fand eine große Resonanz. Schon jetzt treffen die ersten Anmeldungen für die Veranstaltung im kommenden Jahr ein.

Der große Erfolg der Krebskrankenpflegefortbildung weist jedoch auch auf ein Problem hin. Anders als in anderen Bereichen, z.B. in der Intensivmedizin, gibt es zur Zeit keine reguläre Qualifikationsmöglichkeit für Krankenschwestern und Krankenpfleger in der Krebskrankenpflege. Der Aufbau eines berufsbegleitenden Curriculums in diesem Sinne wäre eine wichtige Aufgabe von Medizinern und leitenden Pflegekräften.

6. Greifswalder onkologische Patientenveranstaltung am 13.10.2001

Die diesjährige Greifswalder Patientenveranstaltung wurde gemeinsam mit dem Mammazentrum in Greifswald durchgeführt. Die Veranstaltung begann mit einem Tag der offenen Tür in der Strahlenklinik. Am Nachmittag folgten Vorträge in der Universitäts-Frauenklinik zum Thema Brustkrebs. Die Veranstaltung erfreute sich mit mehr als 60 Teilnehmern eines lebhaften Interesses.

Veranstaltung zum Thema Brustkrebs in Neubrandenburg am 16. Oktober 2001

Auch in Neubrandenburg stand die örtliche Veranstaltung für Patienten, Interessenten und Selbsthilfegruppen unter dem Motto Brustkrebs. Vor 30 Teilnehmern referierte Herr Oberarzt Dr. med. Silz zum Thema: „Ein Jahr Mammazentrum am onkologischen Schwerpunktkrankenhaus Neubrandenburg. Was gibt es Neues auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie“.

Patienteninformationsveranstaltung in Rostock am 17. Oktober 2001

Die örtliche Patienteninformationsveranstaltung in Rostock stand unter dem Motto: Angst vor Krebs - Leben mit Krebs - Krebs behandeln. Die Vorträge wurden vor 25 Teilnehmern im Hörsaal des Physikalischen Instituts im Zentrum Rostock gehalten.

Es wurden auf der Veranstaltung verschiedene Themen angeschnitten:

Führen seelische Belastungen zu Krebs?

Zu diesem Thema referierte Herr Dr.rer.nat. Thomas Klauer; Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin; Zentrum für Nervenheilkunde; Universität Rostock.

Wer hat nicht Angst vor Krebs. Unsere Gesellschaft ist auf Jugend und Gesundheit orientiert. Um so mehr erschüttert die Diagnose Krebs das Leben eines Menschen. Es ist verständlich, wenn Patienten in dieser Situation nach einer Ursache für ihre Erkrankung suchen. Vielfach führen Patienten und Angehörige ihre Erkrankung auf vorausgehende seelische Belastungen zurück. Vor einiger Zeit wurde in diesem Zusammenhang regelrecht von einer Krebspersönlichkeit gesprochen. Die zugrundeliegenden psychologischen Untersuchungen hatten allerdings schwere Mängel: Einige Untersuchungen waren bei Patienten durchgeführt worden, nachdem sie ihre Krebsdiagnose erfahren hatten. Dr. Klauer wies auf die großen methodischen Schwierigkeiten hin, vor denen Untersuchungen auf diesem Gebiet stehen. Um ein psychisches Risiko für Brustkrebs zu identifizieren, wäre z.B. eine Studie an 50.000 patientinnen notwendig. Insgesamt ist zur Zeit wissenschaftlich kein Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen und Krebs nachgewiesen. Niemand muß Angst haben, Krebs zu bekommen, weil er im Stress steht. Neuere Forschungen beschäftigen sich vielmehr mit indirekten Zusammenhängen: Wie z.B. seelische Belastungen zu riskantem Besundheitsverhalten führen (z.B. Rauchen) und auf diese Art zu Krebs disponieren.

In einem weiteren Tel seines Vortrags befaßte sich Dr. Klauer mit der Frage, was Erkrankte und ihre Angehörigen tun können, um ihre Erkrankung besser zu verkraften.

Was darf der Krebspatient von seinem Arzt erwarten?

Prof. Dr. med. Mathias Freund; Abteilung Hämatologie und Onkologie; Klinik und Poliklinik für Innere Medizin; Universität Rostock ging auf das Verhältnis von Arzt und Patienten ein.

Das Verhältnis von Arzt und Patient ist in einer großen Wandlung begriffen. Früher wurde vom Arzt erwartet, daß er fürsorglich für den Patienten entscheidet. Den Patienten wurde in diesem Zusammenhang eine eher passive Rolle zugewiesen. Bei vielen Ärzten bestanden Vorbehalte, die Patienten rückhaltlos über ihre Erkrankung aufzuklären. Es bestanden Bedenken, daß der Patient die mit der Aufklärung verbundenen Belastungen nicht ertragen könnte. Das frühere Verhältnis zwischen Arzt und Patient war auch sehr stark durch die Tatsache bestimmt, daß der Medizin nur wenig Möglichkeiten zur Verfügung standen.

In der modernen Krebsmedizin stellt sich die Situation völlig anders. Wir haben heute sehr wirkungsvolle Therapieverfahren und gute Möglichkeiten für die Diagnostik zur Verfügung. Auf der anderen Seite sind viele Therapieverfahren auch sehr eingreifend und zum Teil mit Nebenwirkungen und Risiken behaftet. Vor diesem Hintergrund ist es absolut unumgänglich, daß der Patient rückhaltlos aufgeklärt ist, ja mehr noch, daß er aktiv bei Auswahl der in Frage kommenden Behandlungsverfahren mitwirkt. Die Rolle des Erkrankten wandelt sich vom passiven Patienten zum aktiven Klienten, zum Partner des Arztes. Diese Entwicklung wird zusätzlich katalysiert durch die vielen Informationen, die heute dem Erkrankten über das Internet zur Verfügung stehen.

Patientenrechte

Prof. Freund faßte nahm am Abschluß dieses Vortragsteils zu den Patientenrechten Stellung und faßte zusammen:

Rechte des Partners Patient
  • Recht auf vollständige Aufklärung und Erklärung von Diagnostik, Therapie, Prognose
  • Recht darauf, daß getrennte Gespräche mit Verwandten nur mit Einverständnis des Patienten stattfinden
  • Recht auf eine zweite Meinung
  • Recht darauf, seine Meinung zu ändern oder den Empfehlungen des Arztes nicht zu folgen ohne daß dies Nachteile zur Folge hat
  • Recht auf eine Kopie der Arztbriefe (Legen Sie sich eine eigene Akte an)


Ein weiterer Teil des Vortrags befaßte sich mit der Frage: Wie sind alternative Heilverfahren einzuordnen?
Am Beispiel der Misteltherapie wurde der Frage nachgegangen, ob es wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit gibt. Insgesamt ist festzustellen, daß bisher keine vergleichende Studie eine Wirksamkeit zeigen konnte. Die Deutsche Krebsgesellschaft stellte 1997 in diesem Zusammenhang fest:

"Auch nach 70 Jahren anthroposopischer Tumortherapie muß festgestellt werden, daß die Wirksamkeit von Iscador gegen Krebs bisher nicht sicher bewiesen ist. Möglicherweise kann dieses relativ billige Präparat in der Zusatztherapie günstig wirken. Auch dies muß erst belegt werden."

Am Ende dieses Vortrgsteils folgten Ratschläge an die Patienten, wie sie selbst kritisch an Angebote zur sogenannten Alternativmedizin herangehen können:

Alternativmedizinischen Angeboten kritisch gegenübertreten

Wer eine Alternative zur Schulmedizin wählt, sollte auf einige wichtige Punkte achten. Vorsicht ist geboten, wenn:

  • schon vor einer gründlichen Untersuchung und Diagnose rasche Heilung versprochen wird
  • der Behandler sofort behauptet zu wissen, was dem Patienten fehlt
  • die wissenschaftliche Medizin und auch andere ergänzende Therapieverfahren außer der eigenen Methode des Behandlers rigoros abgelehnt werden
  • nicht über mögliche Nebenwirkungen der Behandlungsmethode aufgeklärt wird oder behauptet wird, es gäbe kein Risiko
  • unerwünscht ist, daß der Patient sich anderweitig über die geplante Therapie informiert
  • Vorauszahlungen für längerdauernde Behandlungen verlangt werden
  • zweifelhafte Diplome ohne nachprüfbaren Ursprung als Qualifikationsnachweis für den Behandler herhalten sollen
  • die eventuelle Erstattung der Behandlungskosten durch öffentliche oder private Versicherer von vorn herein gar nicht in Erwägung gezogen wird
  • es keine veröffentlichten vergleichenden Studien zum Behandlungsverfahren gibt


Welche Rolle spielt die Krankenpflege in der Behandlung von Krebspatienten?

Über moderne Pflegekonzepte in der Krebsbehandlung sprach Oliver Schenk, Pfleger auf der Knochenmark- und Blutstammzelltransplantationsstation der Universität Rostock.

Wie das Verhältnis von Arzt und Patienten wandelt sich auch die Beziehung zwischen Patienten, Krankenschwestern und Krankenpflegern. „Wir sind hier kein Hotel“. Dieser Ausspruch fiel früher schon mal auf kahlen Klinikgängen. Moderne Krankenpflege sieht den Patienten als Partner. Das beinhaltet, die Patienten zur aktiven Mitarbeit zu motivieren. Da kann es schon sinnvoll sein, daß der, der es kann, sein Bett selbst macht oder sich sein Frühstück an einem Buffet holt. Auf der anderen Seite machen die komplizierten Abläufe der modernen Krebsbehandlung aber auch notwendig, daß jeder Patient seine Krankenschwester oder seinen Krankenpfleger als persönlichen Ansprechpartner hat. Man spricht von Zimmer-Pflege.

Welche neuen Therapiemöglichkeiten gibt es bei der medikamentösen Behandlung von Krebs?

Über die Entwicklung neue Medikamente sprach Herr Privatdozent Dr. Jochen Casper; Abteilung Hämatologie und Onkologie; Klinik und Poliklinik für Innere Medizin; Universität Rostock.

Mit der Entwicklung der modernen Biochemie und Molekularbiologie sind tiefe Einblicke in die Regulation von Wachstum und Überleben von Zellen möglich geworden. Auf dieser Grundlage werden zur Zeit eine ganze Reihe neuer Krebsmedikamente entwickelt.

Krebszellen steuern ihr Wachstum und ihr Überleben zu einem Teil über Eiweißstoffe, sogenannte Signaltransduktionsproteine. In der normalen Zelle spielen diese Eiweißstoffe ebenfalls eine wichtige Rolle. Wesentlicher Unterschied ist dabei in der Tumorzelle, daß diese Botenstoffe des Wachstums falsch reguliert werden oder krankhaft verändert sind. Eine Entwicklungsrichtung für neue Medikamente befaßt sich damit, Hemmstoffe für diese Wachstumsbotenstoffe in den Krebszellen zu entwickeln. Ein erstes Medikament dieser Art wurde im Mai bereits in den USA zugelassen. Es handelt sich um ein Medikament, daß bei der chronischen myeloischen Leukämie eingesetzt wird. Das Medikament ist speziell auf diese Erkrankung zugeschnitten. Es wird als Tablette eingenommen und hat eine außerordentlich starke Wirkung gegen die Leukämie bei minimalen Nebenwirkungen.

Eine weitere Entwicklungsrichtung befaßt sich mit der Herstellung von künstlichen Antikörpern für die Krebsbehandlung. Die Antikörper können heute so hergestellt werden, daß sie vom menschlichen Körper nicht als fremd erkannt werden. Darauf beruht ihre große Wirksamkeit und gute Verträglichkeit. Antikörper können heute bei Lymphknotenkrebs, chronisch lymphatischer Leukämie (die häufigste Leukämieform) und bei speziellen Formen des Brustkrebses eingesetzt werden.

Sehr aussichtsreiche Entwicklungen neue Medikamente setzen an der Blutgefäßbildung an. Jeder wachsende Tumor braucht eine Versorgung durch Blutgefäße. Würde man die Neubildung von Blutgefäßen verhindern können, wäre eine sehr wirksame universell einsetzbare Waffe gegen den Krebs gefunden.


gezeichnet: Prof. Dr. Mathias Freund, Vorsitzender

Kontakte:
Prof. Dr. med. Mathias Freund
Direktor der Abt. Hämatologie und Onkologie
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin,
Universität Rostock
Ernst-Heydemann-Straße 6, 18055 Rostock
Tel. 0381-494-7420, -7421, Fax 0381-494-7422
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